Kollaborationsnetzwerke
Kollaborationsnetzwerke - Treiber der erfolgreichen Transformation
In der modernen Unternehmenswelt ermöglichen es Kollaborationsnetzwerke, Synergien zu heben, die Leistungsfähigkeit und Innovationskraft zu steigern und komplexe Herausforderungen durch gemeinsame Anstrengungen zu bewältigen. Die Steuerung dieser Netzwerke bleibt trotz ihrer zunehmenden Relevanz bisher weitgehend intuitiv und ist nicht ausreichend professionalisiert.
Die wachsende Bedeutung von Kollaborationsnetzwerken ist in vielen Bereichen offensichtlich, von der Wissenschaft und Forschung über die Wirtschaft bis hin zu sozialen und politischen Bewegungen.
So hat z.B. die COVID-19-Pandemie die Rolle von Kollaborationsnetzwerken für komplexe Herausforderungen sehr deutlich gemacht, sowohl länderübergreifend als auch auf Unternehmensebene. Auch im Tagesgeschäft sind Kollaborationsnetzwerke für moderne Unternehmen unverzichtbar. Sie ermöglichen schnellere Reaktionen auf Marktveränderungen durch effiziente Nutzung von Technologien, Daten und Know-how. In Zeiten des Fachkräftemangels bieten sie Zugang zu einem breiteren Talentpool. Unternehmen, die in Netzwerke investieren, sind oft Branchenvorreiter und setzen neue Standards.
Aus der Perspektive der Unternehmenssteuerung sind Kollaborationsnetzwerke kaum im Fokus. Der Blick liegt primär auf der Aufbauorganisation und ihren dokumentierten Prozessmodellen. In der Folge sind die Unternehmen aus aufbauorganisatorischer Perspektive in den zentralen Dimensionen sehr transparent. Undenkbar, eine moderne Organisation ohne diese Informationen zielgerichtet steuern zu wollen:
- Wie ist die Logik des Aufbaus (z.B. funktional, regional, kundenzentriert)?
- Welche Anzahl an Führungsebenen gibt es?
- Wie hoch ist die Anzahl der Organisationseinheiten und ihrer Mitarbeitenden?
- Welche Ziele, Budgets und Verantwortlichkeiten haben die Organisationseinheiten?
- Wie sind die Kernprozesse gestaltet, wie ist deren Automatisierungsgrad?
Tatsächlich beschreiben diese Dimensionen aber nur einen Teil der Wirklichkeit in Organisationen. Die wiederkehrenden Muster der Zusammenarbeit, sowie die Intensität und Qualität der Interaktionen, die entscheidend sind für Synergieeffekte, Leistungsfähigkeit und Innovationskraft, sind meist nur rudimentär oder gar nicht im Blick.
Es lohnt sich also, die Perspektive zu erweitern und die Wirkmechanismen von Kollaborationsnetzwerken transparenter und steuerbar zu machen. Im Fokus dieser Perspektive stehen weniger formale Einheiten und deren sprichwörtlich hierarchische Anordnung. Das Augenmerk wird vielmehr auf die Austauschbeziehungen („Kanten“) zwischen diesen Einheiten („Knoten“) gelegt.
Für die Professionalisierung des Managements von Kollaborationsnetzwerken muss das Rad nicht neu erfunden werden, die bekannten Instrumente der Unternehmenssteuerung müssen lediglich erweitert und neu orchestriert werden. Im Wesentlichen lassen sich vier zentrale Handlungsfelder identifizieren:
Transparenz zu den eigenen Kollaborationsnetzwerken
Folgende Fragen sind von Bedeutung, wenn es um die Transparenz zu den eigenen Kollaborationsnetzwerken geht:
- Welches sind unsere wichtigsten internen/übergreifenden Kollaborationsnetzwerke?
- Welche Ziele verfolgen die Kollaborationsnetzwerke und wie effektiv und effizient sind sie?
- Wie wird die Kollaborationsintensität und -qualität des Netzwerkes gemessen?
- Wer trifft welche Entscheidungen?
- Wer steuert das Netzwerk?
Bei der Beantwortung dieser Fragen hilft ein mehrstufiger Ansatz, der sowohl qualitative als auch quantitative Methoden kombiniert. Zunächst werden die relevanten Netzwerke ermittelt und modelliert. In einem nächsten Schritt wird die Effektivität und Effizienz der identifizierten Netzwerke anhand etablierter Kriterien bewertet. Hier haben sich folgende Kriterien bewährt:
Die Messung dieser Kriterien kann pragmatisch mit Hilfe bereits vorhandener Tools oder Befragungen durchgeführt werden.
Stärkung der Netzwerke und ihrer Zentren
Die Instrumente der Teamentwicklung sind grundsätzlich auch auf einzelne Netzwerkcluster anwendbar. Dabei sind jedoch die Unterschiede zwischen Kollaborationsclustern und formalen Teams zu berücksichtigen.
Die Cluster zu stärken, erfordert eine flexible und adaptive Herangehensweise. Maßnahmen zielen hier eher darauf ab, gemeinsame Interessen und Synergien zu identifizieren und auszubauen, statt vorgegebene Teamziele zu verfolgen.
In Kollaborationsnetzwerken spielen die Zentren eine wichtige Rolle für den Informationsfluss und die Koordination. Diese zentralen Akteure lassen sich durch Netzwerkanalysetechniken identifizieren. Sie zeichnen sich oft durch eine hohe Anzahl an Verbindungen oder eine strategisch günstige Position im Netzwerk aus. Es ist wichtig, eine Überlastung der Zentren zu vermeiden und auch periphere Akteure einzubinden, um Innovationspotenziale zu nutzen und Resilienz zu gewährleisten. Auch das Verhältnis der Netzwerkzentren zu den Linien-Verantwortlichen muss laufend überprüft und ausbalanciert werden.
Bildung starker Brücken zwischen Silos
Um starke Brücken zwischen organisationalen Silos zu bauen und zu unterstützen, ist es entscheidend, verschiedene Ansätze zu kombinieren, die den Austausch und die Zusammenarbeit fördern. Zunächst ist es wichtig, eine gemeinsame Vision zu entwickeln, die von den beteiligten Organisationseinheiten und den jeweiligen Linien-Verantwortlichen mitgetragen wird. Diese Vision schafft ein übergeordnetes Ziel und ein gemeinsames Verständnis dafür, wie die Arbeit in den Silos zum Gesamterfolg beiträgt. Weiterhin ist eine Kultur des Vertrauens und des Respekts von großer Bedeutung. Wenn Mitarbeitende das Gefühl haben, dass ihre Beiträge geschätzt werden und sie sich auf die Unterstützung ihrer Kollegen verlassen können, stärkt dies die Bereitschaft zur Zusammenarbeit über Silogrenzen hinweg.
Bei all dem spielen die Linien-Führungskräfte eine zentrale Rolle. Sie sollen aktiv die interdisziplinäre Zusammenarbeit fördern und eine Kultur der Kollaboration vorleben.
Unternehmensübergreifende Netzwerke entwickeln und pflegen
Unternehmensübergreifende Netzwerke bieten entscheidende strategische Vorteile, indem sie den Zugang zu neuen Märkten, Technologien und Ressourcen ermöglichen. Sie fördern den Austausch von Wissen und Ideen, was die Innovationskraft erhöht und den Unternehmen hilft, in einer dynamischen Wirtschaft wettbewerbsfähig zu bleiben.
Der Aufbau unternehmensübergreifender Netzwerke beginnt mit der Identifikation potenzieller Partner, die komplementäre Fähigkeiten, Ressourcen oder Marktpositionen besitzen. Diese Partner sollten kompatible Werte und Ziele teilen, um eine stabile und produktive Zusammenarbeit zu gewährleisten. Es ist wichtig, klare Ziele und Erwartungen für die Partnerschaft festzulegen und gemeinsame Projekte zu initiieren, die den Austausch von Wissen und Ressourcen fördern. Der Aufbau von Vertrauen ist entscheidend, was durch transparente Kommunikation, Verlässlichkeit und die Schaffung von Win-Win-Situationen erreicht werden kann.
Es überrascht nicht, dass die Unternehmen, die bereits sehr gut in der Entwicklung interner Kollaborationsnetzwerke sind, deutlich erfolgreicher beim Aufbau übergreifender Netzwerke agieren.
Vorgehensmodell zur Entwicklung und Optimierung von Kollaborationsnetzwerken
Das dargestellte Vorgehensmodell bietet einen Rahmen für Unternehmen, um ihre Netzwerke zu analysieren und systematisch auszubauen und zu verbessern. Es soll als iterativer Prozess verstanden werden, bei dem die Phasen zyklisch durchlaufen werden.